Geschichte Friedhof

Geschichte des Saderlacher Friedhofs

 Der Friedhof ist seit Menschengedenken ein Ort der letzten Ruhe für die Verstorbenen, des  Gedenkens, der Trauer, der Einkehr, der Erinnerung, der Gemeinschaft, ein Ort, der Zeugnis ablegt über die schicksalhafte Vergangenheit der Menschen. So auch der Saderlacher Friedhof, die letzte Ruhestätte unserer Ahnen in der alten Heimat, ein Zeugnis unserer Vergangenheit.

 Die ersten Ansiedler hatten schon im Ansiedlungsjahr 1737 einen Friedhof und ein Holzkreuz errichtet. Der Friedhof lag damals an Stelle des heutigen Pfarrhofes. In den Not- und Seuchenjahren stieg die Zahl der Toten. Zwischen 1737 und 1780 gab es 714 Verstorbene, zwischen 1781 und 1820 waren es schon 1608 Verstorbene. Der Friedhof wurde zu klein, wurde 1785 aufgelassen und außerhalb des Ortes an den östlichen Rand verlagert. Es war eine Fläche von einem halben Joch.       (1 österreichisches Joch = 5755 m²). 

Ortschaft-002-3

-aus dem Lageplan der Franziskanischen Landesaufnahme 1819-1869 (Ungarn) - österr. Staatsarchiv

Im Lageplan ist der Friedhof eingetragen.      (roter Kreis)

 Zwei Ansiedlergrabkreuze aus den Jahren 1785 und 1790 sind noch erhalten. Die Gräber, auf denen sie stehen, sind die ältesten des Saderlacher Friedhofs.
Ahnen-1

 Grabkreuz für Neffin Margaretha, geborene Weiß, geboren etwa 1741, gestorben 1785 mit der Inschrift : „Hier ligt begraben die Frau Margaretha Neffin ihres alters 38 Jahr, ist gestorben den 9.Oktober im Jahr 1785 – Gott gieb ihr die ewige Ruh.“

 Grabkreuz für Filipp Weiß, geboren etwa 1740, gestorben am 10.2.1790 mit der Inschrift : „Hier Ruhet Phieliph Weis ist gestorben den 10. Hornung 1790 seines Alters 48 Jahr. Gott gib ihm die ewige Ruh.“

Grabstein 003

Grabstein 004

                               2018

 Saderlach hatte von 1737 bis 1759 keine eigene Pfarrei, sondern gehörte als Filiale zu Neuarad. So kann man aus den Neuarader-Saderlacher Kirchenbuchlisten den ersten Toten aus den Reihen der Erwachsenen ablesen. Es war Christian Albert, 50 Jahre alt, gestorben am 13.10.1737. Von 1751 an bemühten sich die Saderlacher um  eine eigene Pfarrei, um Bewilligung eines Geistlichen und Errichtung einer Kirche.

 Am 3. Mai 1759 wurde Saderlach selbständige Pfarrei. Am 1. Juli 1759 zog als erster Saderlacher Priester Lorenz Streck hier ein. 1778 wurde der Bau der Kirche vollendet. Der Friedhof wurde abermals zu klein. Er wurde 1813 um ein halbes Joch, 1820 um weitere zwei Joch vergrößert. (insgesamt 23020 m²) 1832 wurde er eingeweiht. Auch die Kirche wurde zu klein und so wurde 1869/1871 die neue Kirche erbaut. 1868 wurde das Pfarrhaus durch die Patronatsherrschaft neu aufgebaut. Die vier Joch des Friedhofs wurden aufgeteilt in dreieinhalb Joch für die Gräber und ein halbes Joch Ackerland als Reserve. Dies ist bis heute so.

Kapelle 2

 

 Eine Hauptallee führt durch die Mitte des Friedhofs. Beim Eingang in den Friedhof fällt der Blick gleich auf das Kreuz und die Kapelle dahinter. Die Gräber hatte man unplanmäßig angelegt. An diesen Strukturen wurde mit Starrsinn festgehalten. Ein Vorschlag in den siebziger Jahren, die Gräber in gerade Reihen anzuordnen, bekam keine mehrheitliche Zustimmung. Jedoch wurde in dieser Zeit der Friedhof mit Betonplatten umzäunt und ein eisernes Eingangstor errichtet.

 Die Pfarrer waren für die Vergabe der Grabplätze zuständig und für den Friedhof insgesamt. Das halbe Joch Ackerland wurde von der Kirche verpachtet. Die Pfarrer Siebenhaar, Pinter und Chambre verpachteten auch das Friedhofsgras. Bis 1962 wurde an die Friedhofsgässler verpachtet, danach an die LPG. Das Gras wurde so regelmäßig gemäht und die Instandhaltung des Friedhofs sichergestellt.

 Bis Ende 1990 war die meiste deutsche Bevölkerung Saderlachs ausgewandert. Die wenigen dagebliebenen Kirchenmitglieder konnten zusammen mit Pfarrer Sandor noch einige Zeit die Friedhofspflege gewährleisten. Danach wurde nur noch der Eingangsbereich gesäubert. Hier befinden sich die neuen Gräber. Da wurde der Weg gepflastert. Auch die Kapelle bekam einen neuen Farbanstrich. Die römisch katholische Kirche  wurde der griechisch katholischen Kirchengemeinde überlassen.

 Mit der Auswanderung nach Deutschland veränderte sich das Bild des Friedhofs. Gräber wurden mit Einfassung und Betonplatten zugemacht. Im Laufe der Jahre wucherte Unkraut und Gestrüpp über die Gräber, alles verwilderte. Viele Grabsteine fielen um, das Geschriebene wurde unleserlich. Viele Gräber und Grabsteine waren nicht mehr zu erkennen.

 Die HOG Saderlach mit ihrem Vorsitzenden Franz Winterhalter nahm sich im Jahr 2016 der Instandhaltung des Friedhofs in der alten Heimat an. Nach Absprache mit dem Saderlacher Gemeinderat (der Friedhof gehört der Gemeinde) fand im August 2016 ein Großeinsatz statt. Vierzehn Freiwillige und viele Helfer aus Saderlach befreiten mit schwerem Gerät die Gräber von Wildwuchs. Danach folgten mehrere Spritzeinsätze um die verbliebenen Wurzeln zu vernichten und jährliche Mäheinsätze.

-----siehe “Friedhof Einsatz”

Mit Spendengeldern wurden verschiedene Anschaffungen getätigt und Helfer bezahlt.

 Für die notwendigen Mittel und die dauerhaften Einsätze sind weiterhin Spendengelder und freiwillige Helfer notwendig. Nur durch gemeinsame Anstrengung aller Saderlacher können wir den Friedhof weiterhin vor Verwilderung bewahren. Es bleibt jedoch ein schwieriges Unterfangen gerade in Zeiten der Pandemie.

Die Daten sind dem grünen Buch „ Saderlach 1737 – 1937“ von Dr. Johannes Künzig entnommen.

                            Theresia Weisenberger, im Mai 2021

 

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