Geschichte

Warum und wieso kamen deutsche Siedler ins Banat ?

    Das am südöstlichen Rand der Pannonischen Tiefebene zwischen mittlerer Donau, unteren Theiß, Marosch und den Ausläufern der Südkarpaten gelegene Gebiet wird gemeinhin als Banat bezeichnet.

    Im Jahre 1552 fiel das Banat an das Osmanische Reich. Der mißglückte Versuch der Türken, Wien zu erobern und ihre Vorherrschaft nach Mitteleuropa auszuweiten (1683), war entscheidend für die Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts neugeschaffenen Machtverhältnisse im südosteuropäischen Raum. Nach dem Passarowitzer Friedensschluß 1718 wurde das Banat als kaiserliche Kron- und Kammerdomäne der Wiener Reichsregierung unterstellt.

    Die Österreichische Ansiedlungspolitik war zunächst auf die Urbarmachung dieser verwahrlosten, menschenleeren Gebiete ausgerichtet. In den Niederungen der Karpatenflüsse, wie der Marosch, wo sich im Frühjahr und Herbst ungeheuere Wassermassen stauen, hatten sich während der 170-jährigen Türkenherrschaft endlose Sümpfe gebildet. Ganze Landstriche waren versteppt und verwildert, somit ertraglos geworden. Umherziehendes Räubergesindel verunsicherte die Gegend, Überfälle und Raub war an der Tagesordnung. Da das Kaiserhaus das Banat zunächst für sich behielt, lag es nahe die neueroberten Gebiete mit deutschen Neukolonisten zu besiedeln. Die Landnahme konnte nicht mit umherziehenden Nomaden und Viehzüchtern erfolgen, dazu brauchte man erfahrene Bauern, Handwerker und gewerbetreibende Stände. Dies alles fand man bei den Hotzenwälder.
     Der überwiegende Teil der Saderlacher Ansiedler stammte aus dem südlichen SCHWARZWALD : aus dem ”Zwing und Bann “ des Klosters von St. Blasien, von der reichsunmittelbaren Grafschaft Bonndorf sowie aus der Landgrafschaft Stühlingen der Fürstlichen Schwarzenbergschen Landgrafschaft Klettgau und dem Fürstentum Fürstenberg. Mehrere Familien kamen aus einem dem Hotzenwald gegenüberliegendem Tal, dem Fricktal: aus Kaisten (Neff) und Ittenthal (Fohr, Lidolt, Laub, Muck, Weiß,Welti u.a.). Die Oberrheinländer hatten im Zusammenhang mit den Erbfolgekriegen und durch wiederholte französische Einfälle (1710, 1713, 1714) besonders zu leiden. Andauernde Kriegswirren, Beschlagnahmungen und Verwüstungen erleichterten die Lösung von der angestammten Heimat. Der HOTZENWALD stellt die südliche Abflachung des Schwarzwaldes zum Hochrhein dar. Er wird gewöhnlich mit der GRAFSCHAFT HAUENSTEIN gleichgesetzt. Ähnlich der Schweizer Eidgenossenschaften hatten sich die Bauern des Hauensteiner Gebietes zu einer Art freier Reichsbauernschaft zusammengeschlossen. Die sogenannte  “Hauensteiner-Einung” wurde 1371 in einer Abmachung des Hauses Österreich mit dem Kloster St. Blasien anerkannt. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte gerieten die Freigeborenen jedoch mehr und mehr in wirtschaftliche Abhängigkeit von St. Blasien. Die Zwistigkeiten zwischen dem Kloster und den Einungsgenossen führten schon 1614 und 1628 zu beträchtlichen Bauernunruhen. Im Jahre 1719 entfachte der Salpeterer Fridolin Albiez die sogenannte “Salpetererbewegung ”die zu vier größeren Aufständen führte (1728-1730, 1738-1739, 1744-1746 und 1754-1755). Die Salpetererbewegung umfaßte mehr als zwei Drittel aller Hotzen. Viele hielten jahrzehntelang an ihren ”Hotzeneigensinnigkeiten” fest, gelegentlich kam es zu politischen und sogar zu religiösen Schwärmereien, z.B. Aufhebung aller polit. Gewalt und aller Steuern, Einrichtung nach dem Gotteswort ohne Kirche und Papst usw. (Nach Jakob Böser ” Das Hauensteiner Land und die Salpeterer “, Bonndorf 1912). Aus diesen Umständen heraus mag es verständlich erscheinen, daß viele der in Not geratenen Bauern auf einen Neubeginn im fernen “Hungarn” setzten. Kaiserliche Agenten durchzogen die Vorderösterreichischen Regierungsbezirke und versprachen jedem Ausreisewilligen “freie Beförderung und Verpflegung, unentgeltliche Überlassung von Grund und Boden in Erbpacht , (“soviel als nur immer einer zu bestreiten sich getraut”) und fünf abgabefreie Jahre“. (Werbepatent Joseph Anthoni Vogl , 30.Sept. 1736). Was Saderlach betrifft, muß man auch in Betracht ziehen, daß es sich bei dieser staatl. geplanten und gelenkten Aktion im eigentlichen Sinne nicht um Auswanderung handelte. Die überwiegende Zahl der “Hauensteiner” sahen sich unmittelbar dem Kaiser unterstellt und folgten dem Ruf, die Ostgrenze des Reiches zu festigen.
     Die Impopulationspolitik Kaiser Karl IV. war für die Untertanen eine Umsiedlung innerhalb der Reichsgrenzen. Man wurde nicht an fremde Gutsherren verhökert, man blieb auch im Kronland Banat reichsunmittelbar unter der Schutzherrschaft des Kaisers, so wie man es im Hauensteinerland immer schon war, und wofür man Jahrelang gefochten hatte (Salpetererbewegung). Zweifelsohne deckten sich hier die persönlichen und eigennützigen Interessen der Bauern mit den Reichsinteressen. Die Neusiedler wurden somit zur Speerspitze an der Stirnseite der Wiener Expansionspolitik. Die Umsiedlung war zunächst ein Weg, die aufgestaute Unzufriedenheit der aufsässigen Hotzen ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Andererseits empfohlen sie sich besonders durch ihre Strebsamkeit, ihre bodenständige Hartnäckigkeit und ihre mitgebrachten Erfahrungen als freie, selbstverwaltende Bauernschaft. Der Hotzenwälder wird und wurde in der Literatur stets als besonderer Menschenschlag geschildert. Etwa seine Anhänglichkeit für Althergebrachtes, die bei Bedrohung in eine geradezu querköpfige Hartnäckigkeit umschlagen kann, sein Wiederstandsgeist wie auch ein unbelehrbarer Eigensinn werden dabei stets hervorgehoben. Dies muß man vor Auge haben, wenn man die Neugründung Saderlachs, die Überlebensstrategie der ersten Bewohner, sowie die Eigenheiten der nachfolgenden Generationen betrachtet.
     Nur so konnte dank einer besonderen Lebenseinstellung, eine alemannische Sprachinsel entstehen und über Jahrhunderte lebensfähig bleiben. Saderlach war die einzige deutsche Siedlung im südöstlichen Teil Europas mit eigenständiger alemannischer Mundart
                                                                                                                                                   Hans Burger

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